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Multiple Sklerose

Informationen für Betroffene

Therapie

Ein wirksames Heilmittel zur Behandlung der Multiplen Sklerose steht gegenwärtig nicht zur Verfügung. Dennoch haben sich u. a. Substanzen wie Azathioprin, Methotrexat, Cyclophosphamid, Mitoxantron und Caldiribine in der MS-Standardtherapie bewähren können, da sie eine immunmodulatorische Wirkung entfalten. Auch diverse Einzelstudien geben Anlass zur Hoffnung.

So wurde u. a. ein Wirkstoff aus Seeanemonen erprobt, der im Tierversuch die fehlgeleiteten Antikörper an einer Demyelinisation der Nervenfasern hinderte. Der Wirkstoff Glatirameracetat (ein synthetischer Eiweißstoff) hemmt ebenfalls die Aktivierung der aggressiven T-Zellen und kann daher wie Betainterferon, das u. a. eine antivirale Wirkung entfaltet, zur initialen Therapie der MS eingesetzt werden. Auch wenn Glatirameracetat kein Heilmittel ist, so kann diese Substanz bei MS-Patienten doch die Häufigkeit von Schüben verringern sowie den Krankheitsverlauf verzögern. Niederländische Wissenschaftler, die gezielt einen Impfstoff gegen die fehlgeleiteten Antikörper einsetzten, konnten ebenfalls im Rahmen ihrer Untersuchungen eine Reduktion der Schubfrequenz zeigen.

Wenn auch zurzeit kein Heilmittel für MS-Betroffene zur Verfügung steht, so können doch die einzelnen Erscheinungsformen der Krankheit vergleichsweise gut behandelt werden (symptomatische Therapie). Der Fatigue, einem häufig auftretenden Müdigkeits- und Abgeschlagenheitsgefühl, kann z. B. durch regelmäßige Gymnastik und entspannungsorientierte Konzepte wie Feldenkrais, Eutonie und Qi Gong begegnet werden. Erst wenn diese und ähnliche Übungen keinen Erfolg bringen, sollte die medikamentöse Behandlung mit Modafinil angedacht werden. Gedächtnis- und Konzentrationsdefizite lassen sich hingegen oft schon durch vergleichsweise simple Denksportaufgaben (Sudoku oder Kreuzworträtsel) in den Griff bekommen. Reichen diese nicht aus, kann der behandelnde Neurologe zusätzlich mit dem Patienten spezielle, EDV-basierte Trainingseinheiten durchführen.

Wenn MS-Patienten an einer Spastik (gr. Spasmos: Krampf) leiden, empfiehlt sich regelmäßig durchgeführte Physiotherapie (Krankengymnastik). Ggf. kann diese durch die Gabe von Medikamenten wie Dantrolen, Baclofen und Gabapentin ergänzt werden. Dagegen kann z. B. das neurotoxische Protein Botulinum-Toxin eingesetzt werden, wenn nur einzelne Muskeln bzw. Muskelgruppen von der Spastik betroffen sind.

Störungen der Feinmotorik zu therapieren, stellt sich im Unterschied zur Behandlung anderer MS-Symptome schwieriger dar. So zeigen z. B. Krankengymnastik und Ergotherapie wenig Erfolg bei der Behandlung von Ataxie und Tremor. Dagegen haben einzelne Betroffene mit kalten Bädern und Cold Packs – wenn auch nur vorübergehend – gute Resultate erzielen können. Je nach Intensität der auftretenden Störung kann der behandelnde Neurologe auch Betablocker verordnen, die jedoch in Einzelfällen Nebenwirkungen wie Müdigkeit und niedrigen Blutdruck hervorrufen können.

Bei Speicherungsstörungen der Blase, bei denen die Betroffenen einen ständigen Drang, Wasser lassen zu müssen, verspüren, empfiehlt sich gezieltes Blasenfunktionstraining durch sog. „Timed Voiding“: Hierbei wird die Blase in einem regelmäßigen zeitlichen Rhythmus – auch ohne das Bedürfnis urinieren zu müssen – entleert. Zwischen den festgesetzten Zeitpunkten muss dem Harndrang widerstanden werden. Auch der gezielte Einsatz von Medikamenten, die das parasympathische Nervensystem („Ruhenerv“) beeinflussen, kann eine Überaktivität der Blase drosseln. Entleerungsstörungen der Blase, die bei fortgeschrittener MS häufig auftreten können, lassen sich ebenfalls durch Blasentraining kontrollieren, das durch rhythmisches Beklopfen der Bauchdecke oberhalb des Schambeins ergänzt werden sollte. (msf)

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