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Multiple Sklerose

Informationen für Betroffene

Arzneistoffe zur Behandlung der Multiplen Sklerose

Wirkstoffe in der Schubtherapie

Cortison: Variante des Glucocorticoids Cortisol (siehe Glucocorticoide)

Glucocorticoide (auch Corticosteroide oder Kortison): Steroidhormone aus der Nierennebenrinde (u. a. Corticosteron und Cortisol), die ein komplexes physiologisches Wirkungspotenzial besitzen; zur Schubtherapie bei MS werden sie primär deshalb eingesetzt, weil sie entzündungshemmend wirken, wodurch die Rückbildung einzelner MS-Symptome beschleunigt bzw. eingeleitet wird. Ferner besitzen sie immunsuppressive Eigenschaften, die u. a. dazu führen, dass die Blut-Hirn-Schranke für die Leukozyten (weiße Blutkörperchen) nur schwer zu überwinden ist und sie in der Folge nicht mehr bzw. nur noch vereinzelt in MS-Entzündungsherde eindringen können

Methylprednisolon (künstliches Corticosteroid), das sowohl in Tablettenform als auch als Infusion oder Injektion verabreicht werden kann und eine entzündungshemmende Wirkung besitzt

Immunmodulierende bzw. immunsuppressive Wirkstoffe in der MS-Langzeittherapie

Azathioprin: ein immunsuppressiver Wirkstoff, der die Zellteilung unterbindet. Der Körper braucht zur Herstellung von Immunzellen DNS (Erbsubstanz), die sich aus diversen Komponenten zusammensetzt. Azathioprin zeigt mit einigen dieser Komponenten Ähnlichkeit auf und wird so in die DNS eingeschleust, was die Produktion der aggressiven Antikörper bei MS hemmt

Cyclophosphamid: gehört ebenfalls in die Gruppe der sog. Zytostatika (griech. cyto = Zelle, und statik = anhalten), die bei schwerer MS eingesetzt werden. Es bewirkt Brüche unterschiedlicher Art in der DNA sich schnell teilender Zellen, wodurch im Blut des MS-Betroffenen spezifische immunsuppressive Stoffe vermehrt auftreten. Auch wenn in Einzeluntersuchungen eine Verlangsamung des Krankheitsverlaufs durch Cyclophosphamid festgestellt werden konnte, liegen gegenwärtig keine aussagekräftigen, placebokontrollierten Studiendaten vor

Glatirameracetat: immunmodulatorische Substanz, die aus den Aminosäuren (Eiweißbausteine) Lysin, Tyrosin, Alanin und Glutaminsäure hergestellt wird. Die einzelnen Moleküle des Glatirameracetats zeigen eine ähnliche Oberflächenstruktur wie das Myelin-Basische-Protein (MBP), das im ZNS vorkommt. Man geht davon aus, dass diese Ähnlichkeit eine Ablenkung der fehlgeleiteten Antikörper, die bei MS das Myelin der Markscheide angreifen, bewirkt. Parallel dazu werden schützende Immunmechanismen aktiviert

Immunglobuline (IgG-Antikörper): Eiweißstoffe, die weiße Blutkörperchen infolge eines Kontakts mit spezifischen Antigenen bilden. Bei der Therapie von Autoimmunerkrankungen wie MS können sie feindliche Strukturen erkennen, an diese andocken bzw. diese markieren und unschädlich machen

Interferone (IFN): Proteine bzw. Glykoproteine, die sowohl in tierischen als auch in menschlichen Zellen gebildet werden. Gegenwärtig existieren etwa 20 verschiedene Interferon-Typen, die in die Großgruppen Typ 1 (alpha, beta-1a/-1b, omega) und Typ 2 (gamma) eingeteilt werden. Für die Behandlung der schubförmigen MS sind derzeit drei beta-Interferon-Präperate zugelassen. Auch wenn nach dem jetzigen Stand der Forschung nicht abschließend geklärt ist, welche genauen Mechanismen bei der MS-Interferon-Therapie greifen, gibt es verschiedene Indikatoren, die dafür sprechen, dass Interferon beta zum einen auf entzündungsfördernde Botenstoffe an den Nerven und zum anderen auf die Immunzellen selbst einwirkt

Mitoxantron: ein Wirkstoff, der das Wachstum von Zellen hemmt und bei schweren Erscheinungen schubförmiger MS eingesetzt wird. Auch in der Behandlung der sekundär chronisch-progredienten Verlaufsform findet er Anwendung. Auch wenn man davon ausgeht, dass der Einsatz von Mitoxantron die Bildung der für MS typischen aggressiven Antikörper unterbindet, muss er dennoch wohl überlegt sein, da das aus der Tumortherapie stammende Zytostatikum auch unerwünschte Wirkungen hervorrufen kann (z. B. Erbrechen, Anorexie, Herzschädigungen)

Natalizumab (auch α4-Integrin-Inhibitor): gehört in die Gruppe der IgG-Antikörper (siehe Immunglobuline). Es stellt ein immunologisch aktives Protein dar, das das Eindringen von Leukozyten (weiße Blutkörperchen) in Entzündungsherde unterbindet und bei besonders aggressiven Formen der MS eingesetzt wird

Wirkstoffe in der symptomatischen MS-Therapie

Zur medikamentösen Therapie der Fatigue (chronische Müdigkeit) bei MS wird u. a. Acetylsalicylsäure (ASS) eingesetzt, ein entzündungshemmender und fiebersenkender Wirkstoff. Auch Acetyl-L-Carnitin, Modafinil sowie Amantadin kommen zur Anwendung, auch wenn ihr Einsatz bei Fatigue kontrovers diskutiert wird

Schmerzen treten bei MS in unterschiedlicher Form und Intensität auf. Daher steht auch ein breites Spektrum schmerzstillender Wirkstoffe – angefangen bei Carbamazepin bis hin zu Amitriptylin – zur Verfügung. Ihr Einsatz muss stets vom individuellen Krankheitsbild abhängig gemacht werden. Amitriptylin, das die Wirkung des körpereigenen Botenstoffs Serotonin unterstützt, eignet sich z. B. zur Behandlung von anhaltenden Schmerzen in Armen und Beinen. Das Epileptikum Carbamazepin, das die Erregungsleitung zwischen den Nerven hemmt, kann hingegen bei spezifischen Erscheinungsformen des Gesichtsschmerzes (Trigeminusneuralgie) eingesetzt werden

Medikamentös kann zur Behandlung von Spastiken u. a. auf die Wirkstoffe Tizanidin und Baclofen zurückgegriffen werden. Baclofen wirkt auf das ZNS ein, sodass die Reizweiterleitung von einzelnen Nerven zu den jeweiligen Muskelzellen unterbrochen bzw. behindert wird. Verkrampfte Muskelpartien können daraufhin wieder entspannen. Auch der Wirkstoff Botulinumtoxin hemmt die Reizweiterleitung und kann daher zur Behandlung von Spastiken eingesetzt werden

Zur Behandlung sexueller Funktionsstörungen (Erektionsstörungen) werden u. a. die Phosphodiesterasehemmern Tadalafil und Sildenafil verabreicht. Sie regen die Durchblutung in den Schwellkörpern des männlichen Glieds wieder an

(msf)

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  • Multiple Sklerose (MS): Neue Therapiemöglichkeit entdeckt 25.08.2010
    Das Böse zum Guten bekehren – was nach Wunschtraum und Märchen klingt, ist einer MS-Forschungsgruppe um Prof. Dr. Ralf Gold, Vorstandsmitglied des Kompetenznetzes Multiple Sklerose (KKNMS) und seinem Arbeitsgruppenleiter Dr. Ralf Linker jetzt gelungen. T-Zellen, die sich bei MS-Patienten gegen die eigenen Nervenzellen richten und sie zerstören, wurden von den Forschern so manipuliert, dass sie ein Neuronen-schützendes Protein, den sogenannten brain-derived neurotrophic factor (BDNF), durch die Blut-Hirn-Schranke schleusten, ohne die Immunantwort zu beeinflussen.